Verlags- und Imprintgruppe R. G. Fischer
R. G. Fischer Verlag

____________ Hans Schricker vom Paukowitsch ____________


Zeitlose Zeiten


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Demokratie ist der missglückte Versuch des Menschen, eine Vorgabe der Evolution außer Kraft zu setzen: Seinen unter dem Deckmantel Menschenrechte schlummernden Trieb zum Ego – besser bekannt als Egoismus.



Gedankensplitter 18
2009

Das Blau des Himmels färbt sich schwarz,
Der Blütenzauberduft hat sich versteckt,
Feuchtkalter Wind fällt ein im Sommer
Und bricht die Trübsal einer heißen Zeit.
Umklammert fest die Schwüle letzter Tage,
Saugt sie in sich und wandelt sie in Regen,
Was mir auch hilft mein heißes Blut zu kühlen.

Mein Leben fließt in einer dumpfen Grabesstille,
Es ist die Ethik die mir Fesseln auferlegt.
Ich bin ein glühend’ Eisen unterm Schmiedehammer,
In einer Zwinge festgeklemmt auf Lebenszeit,
Fixiert am felsenharten Amboss meines Seins,
Als willenloses Werkstück einer unbekannten Kraft.
Materie – machtlos Gesetzen unterworfen,
Für mich nicht nachvollziehbar, unverständlich.
Die Zeiger aller Uhren wandern rastlos weiter,
Und Schmiedehämmer schlagen mit im Takt.



Gedankensplitter 40
Die kleine Freiheit
2014

Schlafend liegt er im Park auf einer Gartenbank,
Den Blick mit einer alten Zeitung abgeschirmt.
Daneben sind zwei Plastiktaschen aufgetürmt;
Der Deckschicht seiner Haut entquillt Gestank.

Die Kruste des Protests bedeckt den ganzen Leib.
Äußerlichkeiten haben jeden Wert verloren,
Die Haare hängen über beide Ohren,
Die Flasche voll mit Hoffnung ist sein Zeitvertreib.

Sein Hund, schwarzweiß gefleckt und unbestimmter Rasse,
Das Fell verfilzt durch Straßenstaub und Straßendreck,
– Zwei Flöhe haben auf ihm sicheres Versteck –
Liegt dösend neben einer leeren Futtertasse.

Mit Schattenspenden zweier laubbedeckter alter Bäume
Fliegen sie sehnsuchtsvoll in jenes unbekannte Land,
Das hinter einer dunklen, rätselhaften Wolkenwand
Verbirgt die Pforte zur Erfüllung ihrer Träume.

Die Hoffnung hält sich diesen Zugang immer offen;
Sie bietet für des Menschen Lebensfreiheit die Gewähr.
Solange Luft und Sonnenschein sind frei wie er,
Fühlt sich von einem Zwang zum Zwang er nicht betroffen.

Lebt euer Leben so, wie ihr es gerne leben wollt.
Geniest Freiheit von Geist und Körper unbeirrt.
Doch wenn der Blick auf manche Freiheit euch verwirrt,
So ihr die Freiheit dieser Freiheit überprüfen sollt.
 



Wetterleuchten
2014

Lustgarten voll mit Dekadenz,
Verwandt mit Marquis Sades Lehren;
Verbunden in Omnipräsenz
Mit Abklatsch des Imaginären.

Auch Zwang zur Lüge, dann und wann,
Steigt hoch im menschlichen Gemüt,
Und Mauerblümchen wandeln dann,
Sich um in giftiges Geblüt.

Wollt man in fremden Seelen wühlen,
Verhindert dies kein Abwehrschild.
Hilft Geistesstärke von Gefühlen –?
Ein Schall des Echos Spiegelbild.

Missgunst im Leben, Hass und Neid,
 – Mixtur des Alltags, ohne Frage –
Vereint mit der Verlogenheit,
Wirkt wie Strychnin bei Rattenplage.

Der Mensch, gezeugt im Eilverfahren,
Zufallsprodukt, bestimmt auf Zeit,
Gewächs seit Millionen Jahren,
Unkraut tödlicher Wirksamkeit.

Vereint in einem Gott des Bösen,
Sind Luzifer, Satan und Teufel.
Ihr Schwur die Menschheit zu erlösen;
Falsches Dreifaltigkeitsgeträufel.

Die Lebensrose lockt mit Duft
Zu einer Dornenkrone hin.
Wenn List die Lüge zu sich ruft,
Gilt Totgeburt als Neubeginn.

Man lernt durch List die Lüge kennen;
 – Auch Schweigelist im Beichtgestühl
Lässt Wahrheiten sehr schnell verbrennen – 
Odysseus kam damit ans Ziel.

Wer meint, auch er gewinnt sein Spiel,
Mit den Trugbildern List und Lüge,
Dem flüchten Blick und Sicht vorm Ziel
In Lebensmärchen – Nebelflüge.



Schizophrenie oder Sichtweiten oder Paralyse
2016

Für manche Menschen ein Pläsier,
Mildtätigkeit als Bühnenstück;
In Selbstbefriedigungsmanier
Geschaffen von der Politik.
 
*

Ich weiß nicht was ich sagen soll,
– Als Tier, geboren in die Zeit –
Mein Kopf ist mit Gedanken voll,
Sendboten der Sinnlosigkeit?

Was geht in meinem Inneren vor,
Weshalb mach ich Das und nicht Dies?
Mein Geist steht vor geschlossenem Tor
Auf seinem Weg ins Paradies.

Das Paradies ist nur ein Traum,
Die Welt möchte betrogen sein.
Ein Himmelreich im Weltenraum? 
Hier zählt die Phantasie allein.

Es ist ein Kommen und ein Gehen
In einer Welt der Illusionen,
Wenn wir vermeinen Licht zu sehen,
Irren wir auch in dunklen Zonen.

Geistige Blindheit ist die Regel
Wenn man etwas nicht sehen will.
Geist ist ein Schiff mit einem Segel;
Fehlt ihm die Triebkraft, steht er still.

Auf meinem Gut mit eigenem Garten,
Hochstämmig, dornenreich und schön,
Gedeihen Rosen aller Arten,
Die Blüten, herrlich anzusehn.

Ihr süßer Duft trifft nur Entzücken,
Er jede Zuneigung genießt,
Doch will man damit zwangsbeglücken, 

So Widerstand im Dunkeln sprießt.

Wirtschafterin in meinem Haus,
Von mir genannt Stiefmütterlein,
Strahlt Kompetenz und Klugheit aus,
Ist wie die Blume, zart und klein.

Fast feierlich war ihr Versprechen,
Mir Haus, den Hof nicht nur verwalten,
– Ihr Schwur, nie würde sie ihn brechen –
Auch diesen Zustand zu erhalten.

*

Der Schwur war ehrlich – ernst gemeint –
Doch ihr Bewusstsein war gespalten.
Im Drang zu helfen sie vereint
Sein Ich mit ihren Lichtgestalten.

Gespaltene Persönlichkeit?
Wenn Links bekommt ein Rechtsgefühl,
Und Rechts hält sich danach bereit
Zu wechseln in ein linkes Ziel.
 
Wie sagt ein Spruch – der Geist ist willig,
Nur fehlt dem Körper oft die Kraft,
Die nötig wäre und auch billig,
Und letzten Endes alles schafft.

So ging es ihr, sie war zu schwach,
Ein Vorsatz birgt noch kein Gelingen,
Nur lag diese Erkenntnis brach,
Als sie wollt anderen Hilfe bringen.

So wie man wachsen hört das Gras,
Oder die Mär von einem Schatz,
Hört man, kommt her, wir schaffen das,
Von ihr als flügellahmen Satz

Zu Menschen aller Art und Wesen;
Und Ratten, Läuse, Ohrenschliefer
In Unmenschen – Bilder des Bösen –
Sinnbilder für das Ungeziefer,

Lichtscheu im täglichen Bestreben
Menschliche Schwächen auszunützen,
Um so das eigene dunkle Leben,
Zum Nachteil anderer zu schützen.

Die Freiheit will ich euch verkünden;        
Macht was ihr wollt – frei von Gewalten, 
Sollt alle Ängste überwinden,
Könnt euer Leben neu gestalten

Und okkupieren unser Haus,
Das Leben radikal formieren,
– Tränen lösen Verständnis aus –
Müsst nicht – könnt euch auch integrieren.

*

Gewalt als eine Lebensform
Von vielen ungeliebten Gästen;
Steigert die Ablehnung enorm,
Da sie an fremdem Gut sich mästen.

*

Das Resultat all dieser Mühen;
Die Nächstenliebe sank ins Grab,
Die Rosen konnten nicht mehr blühen,
Und warfen ihre Blätter ab.

Wenn Freiheit ohne Zügel ist
So prescht sie im Galopp davon,
Gleich einer Fuhre Pferdemist,
Bleibt nur Gestank als einziger Lohn.
 

 

Gedankensprünge 3
Vom Menschen
2015

Frucht vom ewigen Bestande.
Ist in Gnaden er gezeugt;
Lösest sich von seiner Bande
Wenn der Ruf den Nacken beugt.

Kann er ahnend nur erreichen
Was des Schöpfers leichtes Ziel,
Wie im Nebel muss er schleichen
In dem unlösbaren Spiel.
 
Dunkle Bande ihn umschnüren,
Doch er meint er wäre frei,
Kann das Ewige nicht spüren;
Im falschen Nest – als Kuckucksei.

*

Sein Streben nur der Zukunft gilt,
Vergangenheit glaubt er besiegt.
Doch da ihm fehlt ein Abwehrschild,
Er mit der Zeit ins Abseits fliegt.

Vergangenheit – Der Blick auf Rom.
Was einmal war, musste wohl sein;
Oder auch neu – Hitler Syndrom.
Erinnerung schlägt auf ihn ein.

Folglich möcht er die Zeit vertreiben,
Ehe sie ihn noch ganz zerstört;
So könnt sein Leben ewig bleiben –
Gäbs einen Gott der ihn erhört‘.

Was würd wohl sein, wenn es so wär?
Logischer Sinn stellte sich quer.
Was wäre wenn, gewinnt kein Spiel,
Ein Konjunktiv erreicht kein Ziel.
Doch Glauben an die Möglichkeit,
Steht für den Menschen stets bereit,
Und Wörter voller Hoffnungsklang
Mindern die Angst vorm Untergang.
 

Reflexion

Ein Schatten kriecht aus weißer Wand;
Hebt grüßend seine rechte Hand,
Hält sich als Wegweiser bereit,
Zur Sackgasse Glückseligkeit.
Nachdenklich er sein Schweigen bricht 
Und fast besinnlich zu sich spricht.

Gedanken kommen aus dem Nichts und schmerzen tief.
Als ob soeben man gestorben wäre.
Wohl dem, der sein Gedächtnis schon verloren hat,
Welchem der Ablauf seines Lebens schon entschwunden ist,
Bei dem sein Geist die Reise bereits angetreten hat,
In eine Welt der Leere, des Vergessens,
Wo Ängste ausgeschaltet sind
Und Glück und Leid das Herz verlassen haben.

Sein Ton wird plötzlich rau und kalt,
Gefühl, gespielt, weicht der Gewalt.
Perversität im Denkprozess
Treibt die Gedanken zum Exzess.

Versteht das Leben als ein Seil,
Vom Garn des Daseins neu geflochten;
Doch Fasern lösen sich von ihm,
Und rauben der Substanz die Kraft. 
Statt Stütze für den letzten Lauf,
Paralysiert es vor der Zeit.

Die Zukunft macht mir Angst und bang,
Fortschritt hat einen bösen Klang;
Der Lauf des Lebens wird passe,
Manch Mensch verliert sein Renommee;
So hat man Werte dreist verbogen,
Da man Schmarotzer großgezogen;
Kommt alle her und tobt euch aus,
–  So rief man sie ins Knusperhaus –
Könnt neue Wunschbilder erfinden,
Nur müssten sie im Zeitgeist münden.
Ihr könnt‘ uns taxfrei Nazi heißen,
Störungsfrei Mitmenschen bescheißen,
Sportlich auf Ziele urinieren,
Mit Leck am Arsch Goethe zitieren …

Die Lage droht zu eskalieren,
Doch Wegsehn heißt den Kampf verlieren.
Daher will Thesen ich verkünden
Wo Mord und Totschlag keine Sünden,
Wenn sie der Selbsterhaltung dienen,
Oder Verbrechen sind zu sühnen.
 
Macht Hackfleisch aus den Leibern eurer Feinde,
Getrennt nach weiblichen und männlichen Geschöpfen.
Vermischt es danach im Verhältnis eins zu eins
– Dies diente nur der ewigen Gerechtigkeit –
Und füttert damit jene Lebewesen,
Deren Vorhandensein den Fortbestand
Und den Erhalt uns geistiger Eliten sichert.
Befriedigt damit eure  Freunde wie euch selbst.

Seid vorher aber davon abgeraten,
Sich giftigen Mitleids zu ergeben.
Fürs eigene Wohl gibt’s kein Verbot,
Einzige Grausamkeit im Leben 
Bedeutet nur der eigene Tod.

Mein lieber Mann, mein liebes Weib,
Gefühle sind nur Zeitvertreib.
Ihr wisst nicht ob auf Erden hier
In euch mehr Mensch ist oder Tier. 
Dass euer Leben bloß ein Hauch;
Ihr glaubt es – doch begreift ihr‘s auch?
Der Weg zum Glück hat seinen Preis.
Betrachtet euer Spiegelbild und überlegt,
Ob ihr euch darin noch erkennt.

Der Schatten ist verstummt,
Entschwunden aus dem Blick,
Nur seine Stimme schwebt noch in der Luft;
In einem Ton, der unvergessen bleibt.



Gedankensplitter 38
Am Abgrund
2014
 
Das Resultat, sich mit der Blindheit zu vereinen,
Bringt euch nur das, was es nicht bringen soll.
Habt ihr die Hosen endlich voll?
Rinnt euch der Dreck schon aus den Hosenbeinen?

Ihr krümmt den Rücken; tiefer geht’s nicht mehr.
Ist euer Rückgrat bereits abgestorben?
Potenz des Geistes durch Ungeistigkeit verdorben?
Aufrechter Gang durchs Leben viel zu schwer?

Kriecht weiter, solang ihr noch kriechen könnt.
Beseitigt alle Steine, die den Weg versperren;
Löst Nebel auf, welche den Blick verzerren.
So wird euch klar, die Lebensleuchte brennt.

Die Flamme der Erkenntnis ist am Ziel
Wenn euer Wille seiner Freiheit längst beraubt,
Der Drang zur Freiheit dunkelt über eurem Haupt,
Und ihr verloren habt das letzte Spiel.
 


Memento mori

2014

Der Mensch im schemenhaften Geisterflug der Zeit;
Wie ein Damoklesschwert schwebt sie über dem Haupt.
Er ist gefangen in sich selbst,
Und Gott ist ihm so fern wie vieles nicht.
Und doch wagt er den Blick auf ihn zu richten.

Hüllt Täuschung unser Wesen ein?
Gefangen in der Unvernunft?
Lässt Geisteskraft uns ganz allein?
Besorgnis stößt uns in ein Dunkel,
Erlösung ist nicht angesagt.

Das Leben mahnt stets an den Tod,
So wie der Tag stets an die Nacht,
Des Menschen Dasein ist vollbracht
Wenn die Vergessensflamme loht.

Die Jahre verschwinden wie Klang und Schall,
Wie ein Vogelgeschrei in freiem Fall,
Verlorene Jugend kommt als Gast,
Reflexionen machten Rast.
Gedanken hüllen sich in Schweigen.
Schließt sich damit der Lebensreigen?
Schlagt nach im Buch des Lebens;
Schlagt nach in den Büchern der Erinnerung.

Er tut sehr weh, der Blick in die Vergangenheit,
Der Körper war gesund, gesünder kann ein Mensch nicht sein.
Ein Dämon doch, als widerlicher Gast schlich sich dort ein,
Im Tarngewand der körperlosen Heiterkeit,
Blendwerk und Firlefanz vereint mit stummem Ton,
Wie eine Kindermärchenspukgestalt, gnadenlos – leer.
Als unsichtbare Furcht im Innern schmerzt er sehr;
Die Trauer darin blieb, der Frohsinn flog davon.

Ladet die stillen Freuden auf,
Sensoren eures Seelenlebens,
Beglückung menschlicher Natur.
Sinnloser Werte Lustgewinn?
Sinnlos das Suchen – wie ihr selbst –  
Nach Dingen die verborgen sind?
Macht es noch Sinn, was sinnlos ist?
Sinnlosigkeit des Daseins Lohn?

Die Menschheit tritt Ameisenvölker immer näher,
Sie flieht in die Termitenbauten bis in Wolkennähe.
Die Erdentage sind ihr fremd geworden,
Der Sinn des Lebens lange schon entschwunden.
Geborgtes Dasein zieht im Geist an ihr vorbei.
Ein Fährmann singt die La Paloma,
Einmal muss es vorbei sein.
Man sieht die Tränen wenn das Lied ertönt.

Halt an, oh Mensch, halt an,
Lockt seine Stimme sorgenvoll.
Komm mit an Bord,
Die Schöpfung sendet ihre Zeichen.
Du folgst der falschen Fährte,
Hier ist die Arche deiner Zuflucht.
Die Zellen der Erkenntnis sterben ab,
Der lange Atemzug des Lebens geht zu Ende,
Der Kampf ist aus, die Quelle dazu ist erschöpft;
Unsterblichkeit hat ihren Sinn verloren.
Es stirbt nicht nur der Mensch,
Mit ihm stirbt auch die Zeit.
Sturmfluten rasen über ihn hinweg,
Symbole brechen ein,
Der schwarze Rauch am Horizont verkündet Feuer.
Die Evolution kehrt an den Ausgangspunkt zurück.