Verlags- und Imprintgruppe R. G. Fischer
R. G. Fischer Verlag

Susann Vorpahl


»Schreiben befreit mich unter anderem von Seelenballast und Stress,
es vermag bleischwere Gedanken in stimmungsvolle Leichtigkeit zu verwandeln.«



cover
Beitrag entnommen
aus der Anthologie
ğIm Zaubergarten der WorteĞ
Ausgabe 2016


Gedichte


Schon immer

Schon immer wars, als wärst du da
obwohl wir uns noch gar nicht kannten
warten, vertraut und sicher
Wohlgefühl –
ein erster Augenblick
noch schüchtern
und doch stark vor ungezähmtem Glück

Schon immer wars, als wärst du da
doch noch in weiter Ferne
bestimmt für mich schon immer
braucht doch alles seine Zeit
ich wusste es bereits, als du betratst das Zimmer

Noch immer ists, als wärst du da
wie damals, als es anfing
die Erinnerung, die bleibt
das Glück, das Wohlgefühl
wird niemals mehr vergessen
noch immer fühl ich deinen Blick, voll Liebe
und bin mir sicher dessen




Wer bist du?

Was macht dich aus – Schönheit, Erfolg,
nachdenklich sein oder still,
immer eine Antwort finden, die richtig ist
und passt für Alles und Jeden?
Was macht dich aus – Kontrolle, die Macht haben,
über das, was andere nicht erwarten?
Sei du selbst – denn das macht dich aus,
sei ehrlich zu dir und lebe!




Sonnentau

Kühles Nass, Erfrischung pur
ich lieg im Gras und träume
Morgentau perlt von mir ab
benetzt die Haut und schmilzt
werde durch Sonnenstrahlen wach
was für ein Glück
lieg ich nicht in der Scheune!




Herbstzeitlose

Sie ist vorbei die heiße Zeit
der Sommer macht sich dünne
windig wird’s, die Äcker kahl,
die Kälte zieht ins Haus
und die Vögel nun gen Süden
das bunte Laub es fällt
ich steh beim Schuppen hinterm Haus
seh die Herbstzeitlosen
und denk, nun wird’s Zeit für wärm’re Hosen




Der Stockrosenzaun


Nun ist Altweibersommer
schwer tragen die Bäume der Früchte Last
ihr süßer Duft betört
verspätetes Bienengesumm und Zugvogelsang
geh ich in der Wärme am Zaun mit den Stockrosen entlang

Der Stockrosenzaun
noch fast ganz bunt
trägt nur wenig welkes Laub
leicht sich neigend im Spätsommerwinde
von Ferne deutet die Gewitterwand dann
nahendes Grollen und Regen an

Die Pracht des Gartens nun bald vergeht
mein Zaun dann ohne Stockrosen steht
stattdessen stelle ich in der dunklen Zeit
zur Geselligkeit für meinen Zaun
ganz dicht an ihn meinen Weihnachtsbaum




Wegbegleiter

Die Seiten vergilbt
das Papier verschlissen
der Rand beschädigt und gewellt
verstaubt in der Kiste auf dem Boden
so seh ich dich nach Jahren wieder
seh mich mit acht unter Decken liegen
und mit meinen Träumen um die Wette fliegen

Die Seiten vergilbt
das Papier verschlissen
lüfte zaghaft das erste Blatt
wieder erleb ich das Glücksgefühl
das ich hatte
mit acht und blättere voller Vorfreude weiter

Der Rand beschädigt
verstaubt in der Kiste
wie konnte ich dich nur so lange vergessen
mein liebster Wegbegleiter
mit acht, hast du mir so viele Abenteuer gebracht

So seh ich dich nach Jahren wieder
halte die Freude kaum noch aus
die Erinnerung an jede Zeile
ist ganz plötzlich wieder da
kenne jede Silbe, die geschrieben
und frage mich
wo sind die Jahre nur geblieben









Susann Vorpahl, 1972 in Cottbus geboren, lebt in Rheinland-Pfalz. Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Lausitz, mehrjährige Tätigkeit in den Bereichen Jugendhilfe und Kliniksozialarbeit.
Die Autorin liebt die Natur, das Lesen und Schreiben.