Verlags- und Imprintgruppe R. G. Fischer
R. G. Fischer Verlag

Sabine Niemeyer


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Beitrag entnommen
aus der Jubiläums-Anthologie
ğIm Zaubergarten der WorteĞ
Ausgabe 2017




Weihnachten 2016 – Im nächsten Jahr
wird alles anders



Für mich fing die Weihnachtszeit in diesem Jahr mit dem Besuch der Berliner Weihnachtsmärkte an.
Ich hatte Montag, den 21.11.2016, frei. Ich freute mich schon, wie ich es mir vor zwei Jahren vorgenommen hatte und es bisher nicht realisieren konnte, endlich die Weihnachtsmärkte in Berlin zu besuchen.
Auf der Hinfahrt nach Berlin am Freitag hatte ich mir im Internet schon eine Aufstellung der Berliner Weihnachtsmärkte angeschaut. Am Samstag schaute ich den Berliner Wochenspiegel nach einer Beilage über die Weihnachtsmärkte durch. Eine ganze DIN A4-Seite war komplett mit Weihnachtsmärkten gefüllt. Ich war ganz erstaunt, in Köln gibt es auch viele Weihnachtsmärkte, aber nicht so viele. Ich wusste gar nicht, wo ich zu lesen anfangen sollte und fragte meine Freunde; sie empfahlen mir den Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg und den am Gendarmenmarkt.
In einem Prospekt war zu lesen: »Christmas Garden Berlin. Mit der Dämmerung beginnt die magische Reise. Von den Produzenten von Christmas at Kew in London …«
Nachmittags wollte ich mit meiner Freundin den Christmas Garden im Botanischen Garten besuchen. Als wir uns nach dem Frühstück auf den Weg machten, war das Wetter noch gut. Nachmittags, als wir den Christmas Garden erreichten, regnete es. Wir waren mit der Straßenbahn angereist, der Regen wurde immer heftiger. Ich hatte meinen Schirm in Köln vergessen und setzte meine Mütze und meine Kapuze auf, aber die konnten dem starken Regen auch nicht standhalten.
Wir standen am Eingang des Christmas Garden, meine Freundin hatte einen kleinen Schirm, unter dem wir unmöglich zu zweit durch den Garden gehen konnten. Auch wurde nur zur vollen Stunde eingelassen, so dass wir noch circa 20 Minuten vor den Toren im strömenden Regen standen. Wir hofften, dass sie uns vorher reinholen würden, damit wir uns bis zur nächsten Öffnung unterstellen konnten. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Wir überlegten, ob wir bei dem Wetter überhaupt in den Garden gehen sollten, aber nun waren wir schon so weit angereist.
Am Schalterhäuschen fragte ich, ob man sich auch Regenschirme ausleihen könnte. Man sagte uns: »Am Schalterhäuschen auf der anderen Seite des Gartens kann man das.« So eilten wir durch die Ausstellung auf die andere Seite des Gartens und fragten hier wieder nach. Nein, man wisse gar nicht, dass es hier auch Schirme gab. »Aber ich frage mal den Kollegen.« »Ja, hier in dem Häuschen gibt es Schirme zum Ausleihen.« Und tatsächlich bekamen wir einen Schirm. Wie wir im Besitz des zweiten Schirms waren, ließ der Regen allmählich nach.
Mittlerweile war es dunkel geworden und die Illuminationen waren schön anzusehen. Wir waren beeindruckt und schossen Fotos von erleuchteten Bäumen, riesigen Kugeln und Berliner Bären. Wir ließen uns mit unseren Handys vor dem Weihnachtsmann mit ein paar Weihnachtsbäumen und zwischen beleuchteten Sternenvorhängen fotografieren, bis die Akkus fast leer waren. Ein bisschen Saft mussten wir noch zum Telefonieren aufheben. Zwischenzeitlich hatte es langsam aufgehört zu regnen.

Am Montag ging ich zuerst auf den Gendarmenmarkt, denn, wenn man hier bis 14:00 Uhr eintraf, war der Eintritt kostenlos.
Als ich an den weißen Zelten mit den gelben Sternen zwischen dem Deutschen und dem Französischen Dom ankam, strahlte die Sonne. Ich trank einen Kaffee vor einem Brunnen vor dem Konzerthaus Berlin und bat einen anderen Touristen, mich zu fotografieren. Ich genoss es, in der Sonne vor den alten Gebäuden zu stehen.
Noch war der Weihnachtsmarkt relativ leer und ich hatte gute Sicht auf alle Stände.
Nachdem ich einiges gesehen hatte, musste ich mich auf den Weg zum Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg machen, damit ich gegen späten Nachmittag wieder nach Köln zurückfahren konnte.
Im Hellen kam ich dort an. Am Eingang stand ein Schild: »10 Jahre Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg«. Vor dem Schloss stand ein Gerüst. Ich schaute mir die Stände an, auch hier war es noch relativ leer. Ich sah Bücher wie: »Früher war Weihnachten später, früher war mehr Lametta«. Auch fand ich Schilder: »Nach mir die Gin Flut«, »Der frühe Vogel kann mich mal«, »Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weitergehen«.
Vor dem Schloss trank ich meinen ersten Glühwein und aß einen Crêpe. Es wurde allmählich dunkel, die Stände waren nun noch schöner anzusehen. Ich musste mich langsam wieder auf den Weg zurück nach Köln über den Berliner Hauptbahnhof machen.

Als ich am nächsten Tag im Büro von meinem Weih­nachtsmarktbesuch erzählte, sagte meine Kollegin, der Weih­nachts­markt am Gendarmenmarkt wäre ihr Lieblingsweihnachtsmarkt.
Mein Arbeitgeber hatte einen Weihnachtsbaum ohne Weihnachtskerzen.

Vor Weihnachten gingen mein Mann und ich zu einem Elsässer zum Weihnachtsessen. Hier hatten wir schon vor langer Zeit einen Platz reserviert. Als wir ankamen, mussten wir noch einige Zeit warten, bis unser Platz frei wurde. Wir saßen etwas beengt. Wir aßen ein sehr leckeres Gericht und fragten dann nach der Rechnung. Die Rechnung war total falsch. Wir reklamierten die Rechnung und bekamen eine neue, die 40 Euro niedriger war, als die alte. Auch diese Rechnung war immer noch nicht ganz richtig, aber wir wollten sie nicht noch mal beanstanden und bezahlten sie.

Heiligabend waren wir abends bei meiner Schwiegermutter zur Bescherung eingeladen. Meine Schwiegermutter hatte sich sehr viel Arbeit gemacht und es gab das Hauptgericht gegen 22:00 Uhr, was wir sehr spät fanden. Meine Schwiegermutter stand bedauerlicherweise die meiste Zeit des Abends in der Küche. Es war ein sehr netter Abend und am nächsten Tag kamen meine Eltern und meine Schwiegermutter zu uns.

Morgens, am ersten Weihnachtstag, bemerkten mein Mann und ich, dass wir etwas vergessen hatten. Mein Mann wollte einen Salat mit Sahne machen. Ich hatte in der Hektik vergessen, die Sahne zu kaufen. Ich hatte sie im Supermarkt nicht sofort gefunden und hatte den Supermarkt ohne die Sahne verlassen.
Wo sollten wir nun am ersten Weihnachtstag noch Sahne herbekommen? Wir beschlossen, die Sahne im Supermarkt am Bahnhof zu kaufen. Wir schauten vorher im Internet, ob der Markt geöffnet wäre. Er war offen, wir riefen an und fragten, ob er Sahne hätte. Wir hatten Erfolg.
Dann fiel mir ein, dass wir keinen Kartoffelbrei hatten. Mein Mann rief seine Mutter an, sie hatte noch Kartoffelbrei und wollte uns diesen am Abend mitbringen.
An diesem Abend stand ich sehr lange in der Küche. Abends gab es einen Braten mit Wintergemüse. Mein Mann wollte aber statt dem Wintergemüse einen Salat anbieten. Hier hatten wir aneinander vorbei geredet und es gab somit Gemüse und Salat statt nur Salat oder nur Gemüse und am Ende blieb einiges über.

Am zweiten Weihnachtstag gingen wir mit unseren Gästen in das Weinhaus »Zum Bären« in der Kölner Altstadt. Wir hatten in der hintersten Ecke einen Tisch reserviert. Wir erhielten eine Karte mit dem Weihnachtsmenü. Wir fragten, ob es denn auch etwas anderes zu essen gebe als das reichhaltige Weihnachtsmenü. Wir erfuhren, dass auch einzelne Weihnachtsgerichte bestellt werden konnten. Wir fanden, dass der Raum, in dem wir saßen, zu weit weg war von den Herrentoiletten. Man musste erst in den nächsten Stock gehen. Wir fragten, wann man reservieren müsste, um einen Tisch im Erdgeschoss zu bekommen. Es musste schon Anfang Oktober reserviert werden.

Im nächsten Jahr sollte dann zu Weihnachten alles anderes werden: wir wollten rechtzeitig den Tisch reservieren, damit wir im Erdgeschoss sitzen konnten und wollten uns nicht mehr so viel Arbeit mit dem Essen machen, sondern uns mehr mit unseren Gästen unterhalten. Auch wollten wir ohne Hektik einkaufen und an alles denken. Mal sehen, ob wir uns im nächsten Jahr zu Weihnachten noch an unsere guten Vorsätze erinnern und wenn ja, wie wir diese umsetzen.













Sabine Niemeyer
wurde im
Dezember 1966 in Hildesheim
geboren und hat nach der
Ausbildung zur Industriekauffrau
und Fremdsprachenkorrespon-
dentin Betriebwirtschaftslehre
in Göttingen studiert.

Veröffentlichungen in diversen Anthologien des R. G. Fischer Verlages. Die Autorin liebt Reisen und Radfahren und lebt mit ihrem Ehemann in Köln.